Was wir aus Corona lernen können

30.03.2021

Wir stehen vor dem zweiten Osterfest unter Pandemie-Bedingungen. Im letzten Jahr waren die Corona-Einschränkungen für uns alle neu. Mittlerweile sind wir zu echten Profis beim Umgang mit der Pandemie geworden.

Die Hansestadt Lübeck leidet - wie alle anderen Gemeinden - unter der Pandemie. Nach einer Statistik der Stadt waren bis Ende März 2021 schon knapp 5.000 Lübeckerinnen und Lübecker an Corona erkrankt. Viele Menschen sind mittlerweile gottseidank wieder genesen. Wir hatten aber auch leider fast 100 Verstorbene zu beklagen. Es gibt aber nicht nur gesundheitliche Gefahren durch Corona. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen der Pandemie sind noch gar nicht absehbar.

Wir merken alle: Die Stimmung in unserem Land wird von Tag zu Tag schlechter. Es liegen noch schwierige Wochen vor uns. Wir sollten uns aber auch jetzt schon fragen, was wir aus dem Verlauf der Pandemie lernen können.

Oft lernt man aus dem am meisten, was nicht gut funktioniert hat. Als Deutsche halten wir uns für Organisationsweltmeister. Bei allem Respekt vor den politischen Entscheidungsträgern in Berlin müssen wir uns selbstkritisch fragen, ob dieses Selbstbild auch wirklich mit der Realität übereinstimmt. Ob es um die Beschaffung von Impfstoff geht oder die Genehmigung von Selbsttests: Andere Länder scheinen das pragmatischer, zuverlässiger und besser als wir hinbekommen haben. Politische Entscheidungen bei uns scheinen zu bürokratisch, zu risikoscheu und zu wenig innovativ zu sein.

Fehler von politischen Entscheidungsträgern sollten nicht mit Häme und Spott kommentiert werden, sondern es müssen die hohe Unsicherheit bei der Entscheidungsfindung und der große Druck, unter dem die Verantwortlichen stehen, klar berücksichtigt werden. Deswegen plädieren wir auch dafür, die Wirtschaft mit top ausgebildeten Managern stärker einzubeziehen. Manager sind es echte Profis darin, mit Unsicherheiten umzugehen und bei knappen Ressourcen – wie Tests, Impfstoffen und Masken – eine optimale Verteilung und Allokation sicherzustellen.

Ein wichtiges Thema ist ferner die mangelnde Digitalisierung der öffentlichen Verwaltung. Wir brauchen mehr als nur Lippenkenntnisse, was die Beseitigung von Defiziten in diesem Bereich angeht. Beispiele dafür kennen wir alle. Wohl jeder kennt aus dem eigenen Freundesund Bekanntenkreis die Klage über die großen technischen Schwierigkeiten, Schüler zuhause zu unterrichten. Und was ist eigentlich aus der Corona-App geworden, die bei der Bekämpfung der Pandemie keine Rolle mehr spielt? Viele unserer Nachbarn sind da deutlich weiter.

Defizite bei der Digitalisierung sind auch auf einen überzogenen Datenschutz zurückzuführen. Datenschutz ist ohne Frage wichtig, aber er muss so ausgestaltet sein, dass er die Pandemiebekämpfung nicht hemmt. Zu oft entsteht der Eindruck, dass „Datenschutz“ nur eine Ausrede ist, um unbequeme Entscheidungen zu verhindern. 

Als Christlich Demokratische Union muss uns klar sein, dass die Bundestagswahl im Herbst daran entschieden wird, ob es der von uns geführten Bundesregierung gelingt, die Pandemie effektiver als bisher zu bekämpfen und die wirtschaftlichen und sozialen Folgen von Corona in den Griff zu bekommen. Den Bürgerinnen und Bürgern sind wir – das muss man selbstkritisch sagen – ein besseres Management schuldig.

Wie so viele Lebensbereiche, hat auch das Leben unserer Parteigliederungen unter der Pandemie sehr gelitten. Videokonferenzen sind ein Notbehelf und ersetzen das persönliche Treffen nicht. Es wird darum gehen, zeitnah zu einer Normalisierung zu gelangen und im Rahmen des Möglichen und Zulässigen auch wieder Veranstaltungen in Präsenz durchzuführen. Wir spüren große Interesse bei unseren Mitgliedern.
Ostern ist das Fest der Hoffnung: Die Impfung der Bevölkerung nimmt endlich Fahrt auf. Das sollte Anlass zur Hoffnung geben, dass wir den schlimmsten Teil der Pandemie hinter uns gelassen haben. Lassen Sie uns mit Optimismus in die Zukunft schauen. Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben gesegnete Ostertage und gute Gesundheit!

Dr. Burkhart Eymer
Dr. Carsten Grohmann
Dr. Burkhart Eymer ist Vorsitzender des Ortsverbands St. Gertrud. Dr. Carsten Grohmann ist
Kreisvorsitzender der CDU Lübeck. Beide sind Mitglieder der Lübecker Bürgerschaft.